• fest-menschenmenge-torgau-delitzsch.jpg
  • glocke-torgau-detizsch.jpg
  • kindergruppe.jpg
  • kirchenchor-torgau-delitzsch.jpg
  • orgel-kirchenkreis-torgau-delitzsch.jpg
  • orgel-kktd.jpg
  • skyline-torgau-delitzsch.jpg

Dübener Kirchenforst: Neue Bäume nach Sturm Friederike

Bis 2020 sollen im Bad Dübener Kirchenforst insgesamt 20 Hektar Wald neu aufgeforstet werden. Viel Schaden hatte Sturmtief Friederike letztes Jahr angerichtet. Das ist für den Wald aber auch eine Chance.

Bad Düben. Vor gut einem Jahr sorgte Sturmtief Friederike im Bad Dübener Kirchenforst für große Schäden. In den Wäldern nördlich der Stadt hatte der Sturm ganze Arbeit geleistet. Rund 6000 Festmeter waren im Revier von Revierförster Andreas Schirmer umgefallen oder so stark beschädigt worden, dass diese Bäume nachträglich gefällt werden mussten.

wald19bGanze Landschaften haben sich durch den Sturm verändert
Mittlerweile ist nicht mehr viel zu sehen von umgekippten Bäumen. Aktuell werden die letzten gefällten Stämme in die holzverarbeitende Industrie abgefahren. Was zurückbleibt sind viele Lichtungen ohne Bäume. „Ganze Landschaften haben sich durch den Sturm verändert. Derzeit haben wir mit größeren Aufforstaktionen begonnen, um wieder neue Bäume in den Wald zu bekommen, damit die kommenden Generationen nach uns auch vom Holz profitieren können“, sagte Schirmer.
Auf einer 2,7 Hektar großen Fläche, nahe des Gesundbrunnens, wird vom Reinharzer Forstbüro Sirko Tauchnitz die erste Sturmfläche vorrangig mit Laubholz wiederbepflanzt. „Wir pflanzen hier rund 2200 Douglasien und 14 400 Roteichen. Das scheint zahlenmäßig auf den ersten Blick sehr viel, aber nur rund 20 Prozent dieser Bäume werden einmal richtig groß werden“, sagt Baumexperte Tauchnitz.

Nicht alle kleinen Bäume überleben
Zum einen sorge die Natur dafür, dass nicht alle Bäumchen überleben und zum anderen werde man bei der Pflege des Areales auch immer wieder Pflanzen entnehmen müssen. „Denn nur gerade gewachsene Bäume sind zukunftssicher“, so Tauchnitz. Das Anpflanzen geschieht in Abständen von 25 bis 30 Zentimetern. Mit einem Spezialspaten, den die Forstleute scherzhaft als Göttinger Fahrradlenker bezeichnen, werden die einjährigen Pflanzen in den Waldboden eingesetzt. Bis zur Ernte wird es dann etwa 150 Jahren dauern – erst dann hat der Baum eine stattliche Größe erreicht. „Solche Bäume wachsen in der Regel anfangs etwa einen Meter pro Jahr. Im Alter wird es dann langsamer“ erklärt Tauchnitz.

wald19aZaun soll vor Fraßschäden schützen
Der Aufforstbereich bleibt für die nächsten zehn Jahre umzäunt, damit die jungen Bäume ungestört wachsen können und nicht durch Rehe gefressen werden. „Mit solchen Aktionen wollen wir unsere Flächen künstlich verjüngen. Nach dem Sturm haben wir jetzt die Chance bekommen, mehr Laubholz in die Nadelwälder einzumischen, um später einen großen Mischwald zu bekommen“, erläutert Schirmer.

wald19cWege werden für schweres Forstgerät befestigt
Im Bad Dübener Kirchenforst sollen bis Frühjahr 2020 insgesamt 20 Hektar neu aufgeforstet werden. Außerdem plant Schirmer weiteren Wegebau für dieses Jahr. Etwa 1,1 Kilometer unbefestigter Waldweg sollen bis zum Sommer so ausgebaut werden, damit schweres Forstgerät nicht jedes Mal beim Befahren der Waldwege größere Schäden hinterlässt. „Für die rund 40 000 Euro teure Maßnahme haben wir bereits einen Antrag gestellt und rechnen mit einer 75-prozentigen Förderung“, hofft Schirmer.
Quelle: LVZ, 06.03.19 / Text und Fotos: Steffen Brost


 

„Es gibt viel zu tun im Wald“

schirmerZum Kirchenbesitz gehört nicht nur das Gottes- und Gemeindehaus samt der Wiese davor und dahinter, sondern noch viel mehr: diverse Grundstücke, Ackerflächen und Kirchenwald. Letzterer umfasst auf dem Territorium der Evangelischen Kirchen Mitteldeutschland (EKM) stattliche 11.510 ha Kirchenwald – verteilt auf den Bundesländern Thüringen, Sachsen- Anhalt, Brandenburg und Sachsen. Die eigentliche Bewirtschaftung ist durch differenzierte Strukturen gekennzeichnet, die den unterschiedlichen kirchlichen Eigentumsverhältnissen Rechnung trägt. Große Teile des Pfarrwaldes in Thüringen werden durch das Landeskirchenamt mit Hilfe von Beförsterungsverträgen mit dem Freistaat Thüringen direkt bewirtschaftet. Weitere Flächen werden autark unter Beratung und fachlicher Aufsicht durch das Kirchenamt mit Unterstützung der staatlichen Revierförster in Schuss gehalten. Ein Großteil der Waldflächen wird darüber hinaus von neun anerkannten Kirchlichen Waldgemeinschaften mit eigener forstlicher Betreuung teils länderübergreifend beförstert. Dies trifft auch auf unsere Region zu.

Hier gibt es drei Kirchliche Waldgemeinschaft: Herzberg, Bad Düben und Wittenberg. Die Kassenführung und das Büro ist im Kreiskirchenamt in Wittenberg und es gibt einen – aller vier Jahr neu zu wählenden – Vorstand, dem gegenwärtig für den Bereich Wittenberger Kirchenamtsleiterin Sabine Opitz, für den Bereich Torgau-Delitzsch Pfarrer Jörg Uhle-Wettler und für den Bereich Herzberg Pfarrer Andreas Bechler vorstehen. Der Kirchenforst selbst setzt sich aus 67% Pfarr-, 31% Kirchwald und 2% sonstige Waldflächen zusammen. Bislang wurde das 1450 ha große Gebiet von Förster György Asztalos gehegt und gepflegt. Mit seinem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand musste die Stelle neu ausgeschrieben werden. Seit Jahresbeginn 2013 ist der 38-jährige studierte Forstingenieur Andreas Schirmer der neue Mann im Kirchenforst. Gegenwärtig ist er immer noch dabei, sein Revier zu erkunden und auch in den zugehörigen Pfarr- und Kirchlichen Verwaltungsämtern per Erstantritt vorstellig zu werden. So groß wie sein Revier ist auch das Tagwerk, dass es hier zu verrichten gilt. Grenzmarkierungen müssen gesetzt werden und Bäume sind zu kennzeichnen, die demnächst entnommen werden sollen. Auch der Wildbestand und seine Entwicklung stehen im Blickpunkt des Kirchenförsters. Viele Waldbereiche sind hier an Jagdgemeinschaften verpachtet. Probleme gibt es heuer mit dem Reh- und Rotwild. Von diesen Tieren wurde jüngst in der Nähe von Rotta ein frisch angepflanzter, 14 ha großer Eichenwald buchstäblich aufgefressen. „Die Wilddichte“, so schätzt Andreas Schirmer den Stand der Dinge ein, „ist gegenwärtig enorm hoch“. Doch nicht nur die Holzentnahme und der Wildbestand gehören zu seinem Aufgabengebiet. Auch gilt es jedes Jahr 5 ha Fläche neu aufzuforsten, dieses Gebiet zu umzäunen und zu pflegen. Alles in allem eine recht anspruchsvolle Aufgabe, die es im Sinne der Kirchengemeinden da zu meistern gilt. 

Kontakt:
Telefon: 0173/6648612 • eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!