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Die guten Geister von St. Ursula in Zaasch


zaasch290319aDer Förderverein „Kirche Zaasch“ arbeitet seit 1995 unermüdlich am Erhalt des Gotteshauses. Die Familien Hahn und Dittmann sind seit Anfang an dabei – ohne sie würde so manches nicht mehr funktionieren.

Zaasch. Die kleine Dorfkirche St. Ursulaim Wiedemarer Ortsteil Zaasch ist eine der Ältesten in Nordsachsen. Das romanische Bauwerk ist etwa 1000 Jahre alt und trotzdem in erstaunlich gutem Zustand. Das ist nicht selbstverständlich und nur dem unermüdlichen Einsatz des Fördervereins „Kirche Zaasch“ zu verdanken. Barbara Löwe hält als Vorsitzende die Fäden in der Hand. Die ehemalige Lehrerin und ist stolz auf die vielen Helfer, die die Vereinsarbeit gemeinsam im Dorf tragen. Besonderen Rückhalt erhält sie dabei von Frank Dittmann und Rüdiger Hahn.

zaasch290319bKurz nach den Wendejahren sollte das Gotteshaus abgerissen werden. Die Zaascher wollten jedoch, dass die Kirche im Dorf bleibt. Gut können sich die Drei daran erinnern, wie sich der Verein aus dieser Situation heraus bildete. „Ende der 1980er-Jahre stand die Kirche kurz vor der Entweihung“, erinnert sich Löwe. Kurzer Hand wurde im Jahr 1995 der Förderverein gegründet. „Wir hatten uns die Werterhaltung als Ziel gesetzt. Auch die Mehrzahl der Einwohner wollten das ebenso“, erklären die Vereinsmitglieder. „Familie Hahn ging zu jener Zeit in den Ruhestand und war tagsüber stets verfügbar. Frank Dittmannüberwachte von Anfang an das Baugeschehen mit“, erinnert sich Löwe. Mit 50 000 Deutsche Mark Startkapital wagte der Verein den Schritt in die richtige Richtung. „Zuerst galt es, das Dach instand zu setzen“, erzählen die Mitglieder. Ziel um Ziel tasteten sie sich voran. „Sieben Tonnen Bauschutt und drei Tonnen Holzabfälle haben wir aus der Kirche getragen“, resümiert Dittmann. Dem ehemaligen Kfz-Schlosser kam dabei sein handwerkliches Geschick gerade recht.
Zur Eröffnungsfeier nach der Dachinstandsetzung wurde bereits für die Kirchturmuhr gesammelt. Hier spielte dem Verein der Ruhestand von Rüdiger Hahn in die Hände. Er war es, der täglich, alle zwölf Stunden, dafür sorgte, dass die Zeit in Zaasch nicht stehen bleibt. Durch die Gewichtsverlängerung am Uhrwerk müsse er mittlerweile nur noch alle zwei Tage zum Aufziehen gehen, verrät der rüstige Rentner. Frank Dittmann schaut ihm bereits über die Schulter: „Ich gehe sozusagen bei ihm in die Lehre“, flachst er.

zaasch290319cÜberraschung zur 700-Jahr-Feier des Dorfes
Im vergangenen Jahr feierte der Ort seinen 700. Geburtstag. Für den Verein gab es eine Überraschung. Die Nachbildung des Flügelaltares, der einst St. Ursula zierte, wurde dem Gotteshaus übergeben. Das Original, ein spätgotischer Schnitzaltar (um 1500) befindet sich seit vielen Jahren in der Stiftskirche in Wechselburg. Und auch so bietet die kleine Kirche viele Besonderheiten: Die aus 99 Feldern bestehende Kassettendecke, der originale Taufstein, die Holzskulpturen, die Geißler-Orgel und nicht zuletzt die alte Kirchentür mit den historischen Beschlägen lässt verstehen, warum dieses alte Erbe mit soviel Enthusiasmus erhalten wird.
Dittmann dreht auch heute regelmäßig seine Runde: „Hier sind noch viele Geheimnisse verborgen, die es zu entdecken gilt.“ Auch seine Ehepartnerin Gisela hilft, wo sie nur kann. Ebenso darf sich Hahn der Hilfe seiner Frau gewiss sein. „Keine Festlichkeit ohne Blumenschmuck aus dem Garten von Walburga Hahn“, fügt Löwe hinzu.
Quelle: LVZ | 29.03.2019 | Anke Herold

Seltene Geißler-Orgel in Zaasch saniert

1858 wurde die Geißler-Orgel gebaut und kommt seit dem in der evangelischen Pfarrkirche in Zaasch zum Einsatz. In den vergangenen Wochen erlebte sie die erste umfassende Sanierung, wurde nahezu komplett auseinandergebaut und in der Orgelwerkstatt Hüfken in Halberstadt aufbereitet. 56000 Euro kostete das Projekt, Fördermittel flossen.
 
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Die Conrad Geißler-Orgel in der Zaascher Pfarrkirche St. Ursula wird sich nicht nur in Kürze im aufgehübschten Äußeren präsentieren, sondern auch deutlich hörbar bessere Töne von sich geben. Dafür sorgten in den vergangenen Wochen die Orgelbauer Daniel Gatzsche und Matthias Godderigde von der Halberstädter Orgelbaufirma Hüfken. Die 1856 vom Eilenburger Orgelbaumeister Geißler (1825-1897) gebaute Orgel hatte eine dringende Verjüngungskur nötig. Sie stammt noch aus den Anfangsjahren des Schaffens des Orgelbauers. Um die 120 dieser Instrumente soll der Eilenburger Meister hergestellt haben. Während bei anderen Orgeln jener Zeit die Kastenbälge meist in einem problematischen Zustand sind, führte sie Geißler offenbar sehr gut aus. „Und sie halten bis heute, versehen ihren Dienst, laufen sehr gut“, sagen die beiden Orgelbauexperten. Über zwei Kastenbälge wird die Zaascher Orgel mit Luft, besser mit Wind, versorgt. „Sie war bis zu ihrem Abtransport spielbar“, betonte Pfarrer Matthias Taatz.
Die beiden Experten, die die Sanierung monatelang in der eigenen Werkstatt voranbrachten, hatten vor Ort tatkräftige Unterstützung vom Zaascher Frank Dittmann. Ihm sei es offenbar zu danken, dass zusätzliche Holzarbeiten möglich wurden, weil er selbst handwerklich eingriff. Dank ihm funktioniere auch die Balgaufzugsanlage wieder. „Sie ist wieder im Betrieb, ein neues Seil ist eingehängt“ erklärte Matthias Godderigde.
Instrument nur noch selten zu finden
Das Zaascher Kircheninstrument ist eine original romantische Orgel mit mechanischer Traktur und in Deutschland nur noch relativ selten zu finden. Viele sind während der Kriege beschädigt oder die Pfeifen zu Rüstungszwecken eingeschmolzen worden, andere in den 50 Jahren in Rückbesinnung auf einem helleren, eben barocken Klang umgestellt worden. „In Zaasch habe man das offenbar vergessen. Heute profitieren wir davon“, so Taatz. Seinem Wissen nach ist es die erste umfangreiche Sanierung des Instruments überhaupt. Historisches Materials so weit es geht zu erhalten, darauf habe man geachtet und größte Sorgfalt darauf gelegt.
Die Zaascher Orgel besitzt insgesamt zwölf Register, zehn in der Hauptlade, dabei sieben im ersten, drei im zweiten Manual sowie zwei Pedalregister.
 
Zu den hauptsächlich auszuführenden Arbeiten zählte die Beseitigung von Undichtheiten. „Die Ventile wurden unter anderem neu beledert“, erklärte Daniel Gatzsche. Auch wurde die Orgel gründlich gereinigt, neu gestimmt. Dazu wurde sie nahezu vollständig auseinandergenommen und dann wieder vor Ort zusammengesetzt. Die Experten mussten sich auch mit dem Holzwurmbefall befassen. „Manche Stellen waren gut und vertretbar zu behandeln, ohne dass der Klang der Orgel darunter leidet. Dort, wo es nicht ging, wurden die Holzteile gewechselt“, teilte Godderidge mit. Leider seien bei der Bekämpfung des Holzwurmes Grenzen gesetzt.
Sanierung fast geschlossen
Mit der Orgelsanierung ist die Erneuerung des Gotteshauses im Inneren und Äußeren nahezu abgeschlossen. Lediglich das Glockenspiel wäre noch dran. Im Gegensatz zu den bislang erledigten Arbeiten gebe es dafür eher wenig Fördermittel. Gleich auf mehrere Töpfe, aus denen Geld zur Unterstützung kam, konnte bei der Orgelsanierung zurückgegriffen werden. „Insgesamt kostet das Orgelvorhaben 56000 Euro“, sagte Taatz. Für die Fördermittel mussten allerdings auch Eigenmittel nachgewiesen wiesen. Die kamen unter anderem aus Spenden zusammen. Michael Czupalla, ehemaliger Landrat, hatte sich zu seiner Verabschiedung auch dafür Spenden gewünscht. Noch ist aber auch eine Summe offen.
Offiziell in Dienst gestellt wird die Orgel am 12. August um 17 Uhr. Es ist zudem der Auftakt für das diesjährige Teichfest in Zaasch.
Artikel veröffentlicht: 04. Juli 2016, LVZ, Ditmar Wohlgemuth
 
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