"Sara aber sagte: Gott ließ mich lachen."

Den eigenen Weg finden

Den eigenen Weg finden

"Wurzel und Flügel"

„Ich glaube, ich passe hier gut hin!“

m.schroeder22Mittwoch, 26. Oktober 2022, wird es um 11.00 Uhr in der Kirche zu Schenkenberg – am Südrand der Stadt Delitzsch – einen Gottesdienst der besonderen Art geben. Auf der Einladung steht: „Im Auftrag des Evangelischen Militärbischofs Dr. Bernhard Felmberg lädt die Leiterin des Militärdekanats Mitte, Prof. Dr. Kerstin Lammer, zum festlichen Gottesdienst anlässlich der Amtseinführung von Pfarrer Michael Schröder in das Evangelische Militärpfarramt Delitzsch ein.“ 

Als Garnisonsstadt kann Delitzsch zurückblicken bis zum Jahr 1706. Damals wurde ein Dragonerregiment neben der Stadt positioniert. In der Folgezeit waren verschiedene Einheiten deutscher Armeen – nie aber für längere Zeit – in Delitzsch stationiert. Nach der Auflösung einer Unteroffizierschule der Nationalen Volksarmee übernahm die Bundeswehr im Jahr 1990 die Liegenschaften des Standortes.

Die Heeresunteroffizierschule IV und das Kraftfahrausbildungszentrum waren die Nutzer der Feldwebel-Boldt-Kaserne und der übrigen Ausbildungseinrichtungen, bis im Jahr 2003 die Unteroffizierschule des Heeres mit dem Stab und der Lehrgruppe A in Delitzsch aufgestellt wurde. Die Ausbildung der künftigen Unteroffiziere und Feldwebel des Heeres wird gerade neugestaltet, d. h. die bisherigen Feldwebelanwärterbataillone in Celle und Sandershausen werden zu weiteren Lehrgangsgruppen der Unteroffizierschule in Delitzsch. Und gerade in diesen Tagen reisen die Menschen zum neuen Lehrgang an.

190913 Fw Boldt Kaserne Delitzsch 02 Foto Bundeswehr webSeit 1990 gehört die Militärseelsorge zum festgefügten Angebot in der Feldwebel Boldt Kaserne in Delitzsch. (Foto: Bundeswehr) Das umfassende Aufgabenspektrum der Streitkräfte und insbesondere die Auslandseinsätze haben spürbare Auswirkungen auf die Lebenssituation der Soldaten und deren Familien – heute aktueller denn je. Die Militärseelsorge bietet ihre Dienste an, im täglichen Dienst, aber auch in Übung und Einsatz, egal ob an Land oder auf See, in Deutschland oder an ausländischen Standorten. Sie ist dabei Ort der Begegnung, des Gesprächs, der Hilfe und inneren Einkehr. Im Gespräch mit Pfarrer Michael Schröder wird deutlich, wie sich das Lebensumfeld der Soldatinnen und Soldaten spürbar verändert hat. Wobei der Begriff „Militärseelsorge“ Michael Schröder nicht gerade besonders gefällt: „Ich spreche lieber von einem kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt oder von Kirche unter den Soldaten.“ Und weiter stellt der Theologe fest: „Wir sind kein Teil der Struktur Bundeswehr, es ist eher ein Joint Venture zwischen Kirche und Staat. Ich bin niemandem gegenüber auskunftspflichtig, habe aber Vortragsrecht bei allen Vorgesetzten. Wir Militärgeistlichen bleiben Zivilisten, und die Seelsorge in der Bundeswehr ist keine exemte Militärkirche, sondern eine Sonderseelsorge in der EKD.“

Ein spannendes Thema – das Fragen aufwirft. Im Vorfeld seiner Amtseinführung kam dazu Andreas Bechert, Öffentlichkeitsbeauftragter im Evangelischen Kirchenkreis Torgau-Delitzsch, mit Pfarrer Schröder ins Gespräch:

Militärgeistliche sind – wie Sie schon sagten – keine Soldaten und stehen außerhalb der militärischen Hierarchie und weiter, dass alle Bundeswehrangehörigen bei Problemen Unterstützung erhalten können. Ungefähr 50% der Unteroffizierschüler am Standort Delitzsch sind Christen. Können also auch Nichtchristen mit ihren Sorgen und Problemen zu Ihnen kommen?

Selbstverständlich. Ich verstehe mich als Ansprechpartner für alle, unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung. Als solcher werde ich auch angenommen, sowohl von Muslimen, wie auch von „Naturbelassenen“. Mit Agnostikern oder Atheisten ins Gespräch zu kommen, macht Spaß, gerade weil wir ein anderes Verständnis von Metaphysik haben. Ich erlebe spannende Diskussionen zum Thema „Gottesbeweise“ oder zu „Schöpfungsgeschichte vs. Naturwissenschaft“.

Ihre Aufgabe ist die Betreuung der Soldaten und ihrer Familien… Was spielen die Familien für eine Rolle in Ihrem Aufgabenfeld?

Die Bundeswehr hat sich zu einer „Pendlerarmee“ entwickelt. Die vielen dienstlichen Versetzungen von Soldatinnen und Soldaten können vielfach von Partner oder Partnerin berufsbedingt bzw. aufgrund der Familiensituation nicht mitvollzogen werden. Das bedeutet eine große Belastung für alle. Gespräche sind wichtig. Welche Angebote hier vor allem für das Stammpersonal der Unteroffizierschule mit ihren Angehörigen möglich werden, wird sich zeigen. In jedem Fall werde ich Rüstzeiten für alle anbieten.

Sie bieten in Delitzsch den „Lebenskundlichen Unterricht“ (LKU) an? Wer nimmt daran teil und was wird dabei vermittelt?

Der LKU ist mein Hauptauftrag. Es handelt sich um eine ethische Qualifizierungsmaßnahme der Bundeswehr und ist für alle Dienstgradgruppen verpflichtend. Es ist kein Religionsunterricht und er ist vor allem nicht versetzungsrelevant. Die vorgesehenen Lernfelder decken alle Bereiche soldatischer Existenz ab. Im Unterschied zu allen anderen Ausbildungen geschieht er in einem geschützten Raum: gerade im Falle moralischer Dilemmatasituationen gibt es ja keine Leitungslösung.

Derzeit konzentriere ich mich auf das Lernfeld „Individuum und Gesellschaft - Religion in Staat und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland“ mit besonderer Berücksichtigung der Militärseelsorgen. Angehende Unterführer müssen nämlich wissen, was das Recht auf Seelsorge und freie Religionsausübung bedeutet. Der zweite Schwerpunkt liegt gerade bei „Moralische und psychische Herausforderungen - Zugänge zur Friedens- und Konfliktethik aus dem europäischen Wertekanon“ – aus aktuellem Anlass!

Die Evangelische Militärseelsorge hat ihrem Grundsatz eine „friedensethische Ausrichtung“ – wie setzen Sie das in der Praxis um?

Über kaum etwas wurde in der Kirche so intensiv nachgedacht wie über Krieg und Frieden. Die Friedensdenkschrift der EKD von 2007 ist für mich immer noch wegweisend, weil sie den Fokus auf einen gerechten Frieden legt. Ohne Frieden gibt es keine Gerechtigkeit und ohne Gerechtigkeit wird nie Frieden werden. Diese Erkenntnis ist nicht neu – und da berufe ich mich auf die Bibel, wo im Psalm 85,10 geschrieben steht: „Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue“ 

Die entscheidende Frage ist, wann überhaupt rechtserhaltende Gewalt angewendet werden darf. Die Friedensdenkschrift fragt daher nach einem berechtigten Erlaubnisgrund.

Zweitens: Wer ist überhaupt legitimiert, solche Fragen zu entscheiden. Ein Staatschef? Es kommt drittens auf die richtige Absicht an. Der Einsatz von Gewalt ist viertens immer das letzte und äußerste Mittel, ist ultima ratio. Die Verhältnismäßigkeit der Folgen und der Verhältnismäßigkeit der Mittel müssen zuvor gründlich bedacht werden. Vor allem: Unbeteiligte Personen und Institutionen sind zu schonen.

Der Krieg gehört eigentlich ins Museum, nicht ins 21. Jahrhundert. Um so wichtiger ist es, dass sich gerade Militärs mit ihm auseinanderzusetzen. Und das tun sie auf vielen Ebenen: „Wer den Frieden will, der rede vom Krieg“ – ich sag´s mit diesem Zitat von Walter Benjamin, der einen Pazifismus kritisierte, der nicht die Kraft hat, sich offen und kritisch mit eben dem Krieg zu befassen, den er ablehnt.

Ich persönlich erlebe mich dabei zwischen zwei für mich unumstößlichen Wahrheiten.

Die eine ist die Erkenntnis des Ökumenischen Rates der Kirchen, geprägt von den Erfahrungen des zweiten Weltkrieges „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Das ist einfach so. Die andere sehe ich mit Kirchenvater Ambrosius darin: „Wer nicht gegen das Unrecht, das seinem Nächsten droht, kämpft, soweit er kann, ist ebenso schuldig wie der, der es diesem antut.“ Ambrosius von Mailand: De officiis ministrorum 1,36.179 (BKV 32, 97).

Wir befinden uns aktuell also im größtmöglichen moralischen Dilemma. Egal, wie wir angesichts des von Russland begonnenen Angriffskrieges auf die Ukraine entscheiden – wir machen uns schuldig, ob wir nun letztere mit Waffenlieferungen unterstützen oder uns zurückhalten.

Zwei Themen liegen heute in den Kirchengemeinden um Umland oben auf: 1. Krieg in der Ukraine und die wirtschaftlichen Folgen für die Menschen hier und 2. Kommt eine neue Corona-Welle auf uns zu?  Gibt es wieder einen Lockdown? Beschäftigt das auch die Unteroffiziersschüler?

Selbstverständlich! Die sind ja nicht aus der Welt gefallen … Unsere Soldatinnen und Soldaten sind ja bereits an der Ostflanke der Nato und unterstützen die osteuropäischen Bündnispartner vor dem Hintergrund der russischen Aggression durch eine erhöhte multinationale Truppenpräsenz. Und die möglichen wirtschaftlichen Folgen des Krieges beschäftigen uns ja alle.

Corona ist dadurch vielleicht ein wenig in den Hintergrund getreten. Aber es war in den letzten beiden Jahren ein wichtiges Thema, sowohl im Zusammenhang mit den Auslandseinsätzen und dem Einsatz vieler unserer Soldatinnen und Soldaten als sog. „helfende Hände“ in Impfzentren und Gesundheitsämtern. Ich habe einige besucht: die haben dort großartige Arbeit geleistet.

Wie wird man eigentlich Militärpfarrer und wo waren Sie bisher tätig?

Früher hätte ich gesagt: Man hat lange nichts verrücktes mehr gemacht … Aber inzwischen ist das wirklich mein Thema geworden. Mich haben immer evangelische Erwachsenenbildung, Männerarbeit und das Gespräch mit kirchenfernen Menschen beschäftigt. Eigentlich komme ich aber aus einer ganz anderen Ecke: ich war Kriegsdienstverweigerer und habe meinen Zivildienst in der Behindertenarbeit geleistet. Und war trotzdem immer an Militärgeschichte interessiert.

Ursprünglich bin ich Pfarrer der Württembergischen Landeskirche und habe mal im Kirchenkreis Tuttlingen angefangen. War dann Militärpfarrer beim Marinefliegergeschwader 2 und bei der Ubootflottille. Und bin daher auch zur See gefahren: vier Monate beim UNIFIL-Einsatz war mein längster Turn. Als Referent für pastorale Dienste und LKU war ich im Evangelischen Kirchenamt tätig, dann wieder ganz normaler Gemeindepfarrer im Ländle, als Wiedereinsteiger bei ABCisten und Panzerpionieren im Weserbergland, von dort aus Einsatzbegleitung in Mali bei der europäischen Trainingsmission EUTM, schließlich beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee. Und dann kam ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte: die Unteroffiziersschule des Heeres in Delitzsch.

Ja – ich glaube, ich passe hier gut hin.

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